Biometrischer Pass

Die Nachteile

 

Am 17.5.09 waren die Eidgenössischen Wahlen, abgestimmt wurde über die Einführung des biometrischen Passes. Dieser wurde knapp mit 50,14 Prozent der Stimmen angenommen. Doch was sind die Vor- und Nachteile des biometrischen Passes? Denn nicht nur das Finanzielle, sondern auch die Sicherheit von 7,7 Millionen BürgerInnen steht hier zur Debatte. Nachdem die Pässe je länger je mehr an Persönlichkeit verlieren, sprich: kein Lachen auf dem Foto, alles perfekt mittig und strammer Blick – sieht doch jeder wie ein Schwerverbrecher aus. Nächstes Jahr wird alles ganz anders sein: ein digitales Foto und Fingerabdrücke werden im Informationssystem Ausweisschriften (ISA) abgelegt. Die Regierung versichert, dass die Fingerabdrücke nicht im strafrechtlichen Gebrauch genützt werden, doch wofür denn sonst? Wäre ich bei der Spurensicherung und hätte einen unidentifizierbaren Fingerabdruck, würde ich auf jeden Fall in der ISA nachschauen. Die Daten können nicht nur von der Schweizer Regierung, sondern von allen Schengenmitgliedern eingesehen werden. Der biometrische Pass vereinfacht vieles, jedoch nicht für die Bürger, welche ihn besitzen, sondern für deren Regierungen. Das knappe Wahlergebnis macht einen Teil der Bevölkerung nachdenklich. Viele denken, dass die Wahl manipuliert worden ist und fordern deshalb eine Nachzählung. Diese wird jedoch von der Regierung verweigert, was nur noch zu mehr Misstrauen führt. Fragen tauchen auf: Hat der Staat was zu verbergen? Warum wurde der Pass angenommen, wenn vor der Wahl so ein lautes Nein-Echo zu hören war?

 

Kim Vonrufs / 19.5.2009


Mordfall Lucie in Baden

Einmal mehr ist der Täter schon vorbestraft

 

Wieder einmal ist ein junger Mensch Opfer eines brutalen Verbrechens geworden. Die sechzehnjährige Lucie Trezzini aus Fribourg, die seit letzter Woche vermisst wurde, ist tot. Diese Nachricht löste wohl in der ganzen Schweiz grosse Betroffenheit aus. Und wieder einmal mehr ist der Mörder vorbestraft und der Polizei bereits bekannt. Der mutmassliche Täter, der 25-jährige Daniel H., wurde schon 2004 einmal wegen versuchter Tötung verurteilt. Offenbar wurde damals abgeklärt, ob er verwahrt werden müsse. Doch der Entscheid war negativ ausgefallen. Und wie schon so oft, führte dieser Entscheid zum Tod eines Menschen. Warum werden solche Täter immer wieder falsch beurteilt und als gefahrlos für die Gesellschaft eingestuft, obwohl sie in Wirklichkeit eine tickende Zeitbombe sind? Sind die Gutachter einfach nicht fähig, einen Delinquenten richtig einzuschätzen oder ist es vielleicht gar nicht möglich im Voraus zu erkennen, was in einem solchen Menschen vorgeht? Nachdenklich stimmt jedenfalls sehr, dass sich oftmals gerade Täter, die nicht als wiederholungsgefährdet eingestuft wurden, als die schlimmsten Serienmörder entpuppt haben. Man braucht sich nur an Werner Ferrari zu erinnern, der 1971 einen Jungen tötete und nicht als Wiederholungstäter eingestuft wurde. Und das obwohl bereits Jahre zuvor ein Psychiater in einem Gutachten vermerkt hatte, Ferrari wäre gefährdet, eines Tages ein Sexualdelikt zu begehen. Er tötete vier weitere Kinder. Und Ferrari bleibt leider nicht das einzige Beispiel. Es passiert viel zu oft, dass vorbestrafte Menschen ungehindert weitere Verbrechen begehen können.

Im Fall Lucie gibt zudem auch der Taxifahrer zu denken, der Daniel H. fast täglich zwischen Zürich und Baden hin und her gefahren hatte. Wie er zugab, wusste er, dass sich Daniel H, der unter Suchtbetreuung stand, regelmässig in Zürich Kokain besorgte. Und was noch weit schlimmer ist: Er wusste auch, dass Daniel H. öfter minderjährige junge Frauen mit nach Hause nahm. Wie der Taxifahrer gegenüber Tele Züri sagte, hatte Daniel H. ihn einmal um einen Fotoapparat gebeten und offen erzählt, er hätte zwei Mädchen in der Wohnung. Er wollte Sex mit ihnen und dabei fotografieren. Der Taxifahrer bekam die Mädchen danach selbst zu Gesicht, als er sie vor Daniel H.s Haus abholte. Wie er selbst sagte, hätten die Mädchen sehr verstört gewirkt, und er habe ein ungutes Gefühl gehabt, ja gar eine dunkle Vermutung, Daniel H. könnte die Mädchen in irgendeiner Form ausgenutzt haben. Warum hatte er dann trotzdem geschwiegen? Warum hatte er dieses Wissen für sich behalten? Er hätte Lucie Trezzini vielleicht das Leben retten können. Auch von derartigem Schweigen hört man oft bei Verbrechen. Und man fragt sich: Warum behalten Menschen solche Dinge für sich, die ihnen eindeutig seltsam vorkommen? Ist es der Grund einfach nur eine lähmende Gleichgültigkeit? Ist es Angst? Zweifel an der eigenen Wahrnehmung? Oder könnten Personen wie dieser Taxifahrer vielleicht selbst etwas zu verbergen haben?

 

Evelyn Schönholzer / 10.3.2009


Autosalon in Genf

Braucht die Schweiz noch ein kapitalistisches Zeichen?

 

Zuerst das WEF in Davos, jetzt der Auto-Salon in Genf. Trotzt Krise gibt es Veranstaltungen bei denen zuoberst der Kapitalismus steht. «Nichts von der Finanzkrise anmerken lassen», so lautet zurzeit das Motto der Schweiz. Anstatt das Geld in Hilfsprojekte zu investieren, organisiert man lieber teure Events. Wer denkt schon in der momentanen finanziellen Lage daran, ein Gefährt im Wert von 500'000 Franken zu kaufen. Die neuen «unbezahlbaren» Autos stossen weniger CO2 aus und sind umweltfreundlicher.

Davon können die meisten Autoliebhaber nur träumen. Ein Traum, für den man viel bezahlt, damit man ihn sich «nur» anschauen kann. Doch trotz allem lockt der Auto-Salon viele Besucher an. Ist das Geld doch nicht so knapp wie es scheint? Wir müssen uns fragen wer die eigentlichen Opfer der Finanzkrise sind. Sind es jene, die Millionen verloren haben oder ist es die Arbeiterklasse, die mit Lohnkürzungen und Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat? Ebenfalls müssen wir uns fragen welche Kundschaft der Auto-Salon anlockt. Man müsste meinen, dass es die Autoliebhaber sind, was dieses Jahr wohl weniger der Fall sein wird. Die Highsociety und Politiker werden wohl am ehesten vertreten sein.

 

Kim Vonrufs / 6.3.2009


Wunschkinder auf Bestellung

Amerika - Land der unbegrenzten Hirnlosigkeit?

 

Es gibt offenbar wirklich nichts, das es nicht gibt. Zwei US-Kliniken in New York und Los Angeles wollen künftig Paaren ermöglichen, sich das perfekte Baby zu bestellen. Ganz nach Lust und Laune. Soll es ein Junge sein oder vielleicht lieber ein Mädchen? Soll es blonde Haare und blaue Augen haben oder dunkle Locken zu braunen Augen? Sogar die Hautfarbe ihres Kindes können die werdenden Eltern wählen. Da beginnt man sich doch zu fragen, ob der Menschheit denn überhaupt noch zu helfen ist. Wer hätte sich noch vor fünfzig Jahren gedacht, dass es einmal sogenannte Designerbabys geben wird? Und zwar nicht im Kino oder im Fernsehen, sondern in der Realität. Bald wird es wohl auch noch möglich sein, Babys beliebig wieder umzutauschen, wenn sie den Eltern plötzlich doch nicht gefallen sollten. Was hat das alles noch mit bedingungsloser Liebe zu tun? Sollte man sich nicht lieber mal daran erinnern, dass man seine Kinder so akzeptiert wie sie von Natur aus geschaffen wurden?

Offenbar haben bereits mehrere Eltern in den USA ein „Baby nach Mass“ bestellt. Erschreckend, dass es tatsächlich Menschen zu geben scheint, die offensichtlich geradezu auf eine solche Möglichkeit gewartet haben. Schon allein das Wort Bestellung zeugt von absoluter Respektlosigkeit gegenüber einem Lebewesen. Und die Kinder, die da so einfach gezüchtet werden, fragt sie denn jemand, ob sie mit den Genen leben wollen, die ihre Eltern aus purem Egoismus heraus, einfach für sie bestimmen? Was ist das denn anderes als Egoismus und Selbstsucht. Welcher Mensch hat das Recht Gott zu spielen oder doch zumindest in die Natur zu pfuschen? Hält denn bald niemand mehr etwas von natürlicher Fortpflanzung?

In der Schweiz ist die Züchtung von Designerbabys verboten, so dass viele Interessierte ins Ausland ausweichen. Allerdings haben genügend Menschen anscheinend doch noch ein Gefühl für Moral. Denn, wie in vielen Internetforen und Leserbriefen zu sehen ist, lösten die Nachrichten von den neuen Möglichkeiten in Amerika, bei den meisten eine Welle der Empörung aus.

 

Evelyn Schönholzer / 6.3.2009


Demo und Gegendemo am 8. März in Bern

pnos-demo in bern

Kein aktives rechtes Netzwerk in der Schweiz?

 

«Rassistischer Übergriff auf 12-Jährige», so lautete die Überschrift in der Gratiszeitung 20minuten. Der Artikel handelt von einem Mädchen aus dem Kongo. Sie wurde in Winterthur von einem Neonazi verbal angegriffen und verprügelt. Geschichten wie diese gibt es in der Schweiz leider viel zu viele. Auch am 8. März wird die «Partei National Orientierter Schweizer» (PNOS) sich wieder versammeln und eine Platzkundgebung für die Meinungsfreiheit und gegen die Antirassismusstrafnorm halten. Ursprünglich war eine Demonstration geplant. Bewilligt wurde jedoch nur die Platzkundgebung. Obwohl der PNOS-Vertreter Markus Martig gesagt hat, dass sie trotzdem marschieren werden.

Immer wieder wird die Rechte Szene zu wenig beachtet. Wie beim Fall der Brasilianerin in Zürich. Da sollen einige Neonazis ihr angeblich den Bauch verritzt und sie getreten haben. Damals gab es ein Interview im Blick mit einem Experten der sich mit dem Thema Rechtsextremismus in der Schweiz beschäftigt. Er sagte, dass es in der Schweiz kein aktives rechtes Netzwerk gäbe. Jedoch gibt es immer wieder Vorfälle und Neonazi-Aufmärsche. Auch die SVP machte europaweit Schlagzeilen mit ihren Wahlplakaten. Im Herbst 2007 mit dem schwarzen Schaf, 2008 mit den schwarzen Raben. Das soziale Bild der Schweiz soll für Asylbewerber immer weniger attraktiv werden.

Man hört viel von den bösen linken Chaoten. Aber warum? Weil sie sich gegen den Rechtsextremismus in der Schweiz wehren und weil sie nicht wollen, dass Nationalsozialismus und Faschismus in der Schweiz Fuss fassen könnten. Auch am 8. März wird es wieder Schlagzeilen geben, aber nicht wegen dem Marsch der PNOS, sondern weil für den Sonntag verschiedene linke Gruppen wie JFDP, UNIA und JUSO eine Gegendemo geplant haben. Die Stadtpräsidentin von Burgdorf hat angedroht, dass die Gegendemo von der Polizei aufgelöst werde, da diese unbewilligt sei. Dies fordert die Linken noch mehr heraus, in Burgdorf zu demonstrieren. Sie sagen, dass der Eingriff der Polizei überflüssig sei und sie nicht daran hindern könne, für ihre Meinung einzustehen.

 

Kim Vonrufs / 4.3.2009